Datenunabhängigkeit

Unter Datenunabhängigkeit versteht man die Unabhängigkeit von Anwendungsprogrammen und den Daten, die die Anwendungsprogramme benötigen. Die Entwicklung von Datenbanksystemen (DBS) war ein entscheidender Schritt in Richtung Datenunabhängigkeit. Mit ihrer Hilfe können Daten zentral einmal gespeichert werden und verschiedene Programme können auf sie zugreifen und sie nutzen. Vor der Einführung von Datenbanksystemen war es vielfach so, dass jede Anwendung ihre eigenen Dateien mit unterschiedlichen Datenstrukturen für ihre Daten hatte, so dass es schon der Regelfall war, dass Daten mehrfach (redundant) gespeichert wurden.

Wird die Datenunabhängigkeit praktiziert, ergeben sich folgende Vorteile:

  • weniger/keine Redundanz: Daten werden nicht für verschiedene Anwendungen unterschiedlich aufbereitet in verschiedenen, anwendungsspezifischen Dateien gespeichert, sondern alle Daten zentral an einem Ort in einen anwendungsunabhängigen Format gespeichert.
  • weniger/keine inkonsistenten Daten: Werden Daten an verschiedenen Orten gespeichert, also redundant, sind Inkonsistenzen bei den Daten eigentlich schon zwangsläufig. Ein Beispiel dazu: Werden Mitarbeiter-Daten einmal in der Buchhaltung und einmal in der Personalabteilung gespeichert, und meldet ein Mitarbeiter seinen Umzug oder seine neue Handynummer nur einer der Abteilungen, so passiert es im Alltag sehr schnell, dass der Informationsaustausch zwischen den Abteilungen vergessen wird und schon sind unterschiedliche Informationen gespeichert, von denen man mitunter nicht einmal weiss, welche die richtigen sind.
  • Anpassungsfähigkeit: Da die Daten zentral und unabhängig von den besonderen Anforderungen von Anwendungen gespeichert werden, lassen sie sich leicht neuen Anforderungen von Anwendungsprogrammen anpassen, seien es neue Daten oder das alte Daten nicht mehr benötigt werden.

Es werden drei Arten der Datenunabhängigkeit unterschieden:

  • vertikal logisch: Anwendungsprogramme und Daten sind unabhängig. Werden Daten aus der Datenbasis entfernt, die in keinem anderen Programm mehr benötigt werden, so ist dies möglich. Benötigt andererseits eine Anwendung neue Daten, so wird die bestehende Datenbasis um eben diese neuen Daten ergänzt.
  • horizontal logisch: Anwendungsprogramme untereinander sind unabhängig, was heißt, dass Änderungen in einem Programm keine Änderungen in einem anderen Programm nach sich ziehen. Benötigt z.B. eine Anwendung neue Daten, so werden diese in die Datenbasis aufgenommen, die SQL-Anfragen (SELECT-Ausdrücke) und DML-Anweisungen in den anderen Programmen bleiben unberührt.
  • physisch: Die (logische) Datendarstellung, die für die Anwendungsprogramme, ist unabhängig von der Form der physischen Speicherung. SQL-Anfragen (SELECT-Ausdrücke) und DML-Anweisungen im Anwendungsprogramm müssen nicht angepasst werden, wenn die physikalische Speicherform geändert wird, wenn z.B. von einer ISAM-Speicherung auf ein B-Baum-Struktur umgestellt wird oder ähnliches.

Quellen:

  • Elmasri, Ramez; Navathe, Shamkant B.: "Grundlagen von Datenbanksystemen" , Pearson Studium, München, 2009, ISBN 978-3-86894-012-1
  • Faeskorn-Woyke, Heide; Bertelsmeier, Birgit; Riemer, Petra; Bauer, Elena: "Datenbanksysteme - Theorie und Praxis mit SQL2003, Oracle und MySQL", Pearson Education, München, 2007, ISBN 978-3-8273-7266-6
  • Kemper, Alfons; Eickler, André: "Datenbanksysteme", Oldenbourg, München, 2011, 978-3-486-59834-6
  • Saake, Gunter; Sattler, Kai-Uwe/Heuer, Andreas: "Datenbanken - Konzepte und Sprachen", mitp-Verlag, Redline GmbH, Heidelberg, 2011, ISBN 978-3-8266-9156-0
  • Vossen, Gottfried: "Datenmodelle, Datenbanksprachen und Datenbankmanagementsysteme", Oldenbourg, München, 2008, ISBN 978-3-486-27574-2

Kategorie: Allgemeines, D