Zweite Normalform

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Eine Relation R mit Primärschlüssel S befindet sich in der zweiten Normalform (2NF), wenn sie in der ersten Normalform (1NF, Erste Normalform) ist und jedes Nichtschlüsselattribut voll funktional abhängig vom Primärschlüssel S ist (Funktionale Abhängigkeit).

Die zweite Normalform beseitigt somit partielle Abhängigkeiten, die gegeben sind, wenn Nichtschlüsselattribute nur von einer Teilmenge des gesamten Primärschlüssels abhängen. Eine Relation kann daher nur dann nicht in der zweiten Normalform sein, wenn der Primärschlüssel aus mehreren Attributen besteht. Bei künstlichen Schlüsseln (surrogate key) ist dies nie der Fall, da sie immer nur aus einem Attribut bestehen und damit ist die zugeordnete Relation automatisch in der zweiten Normalform.

Beispiel:

Die Relation Produktion

Ang_Nr (PK)NameOrtAbt_ NrAbt_ NameT_Nr (PK)BezeichnungZeit
101PaulBonn1Chemie11Kali60
101PaulBonn1Chemie12Farbe40
102HugoKöln2Kunststoff13PVC20

mit dem zusammengesetzten Primärschlüssel (Ang_Nr, TNr) soll vereinfacht ein Produktionsgeschehen abbilden. Es sind folgende volle funktionale Abhängigkeiten gegeben:

  1. Ang_nr -> Name, Ort, Abt_Nr, Abt_Name
  2. T_Nr -> Bezeichnung
  3. Ang_nr, T_Nr -> Zeit
  4. Abt_Nr -> Abt_Name

Die ersten beiden funktionale Abhängigkeiten hängen nur partiell vom Primärschlüssel ab. Die dritte Abhängigkeit ist voll vom gesamten Primärschlüssel abhängig. Die vierte Abhängigkeit (Abt_Nr -> Abt_Name) hingegen wird erst für die Dritte-Normalform relevant, da es eine transitive Abhängigkeit ist.

Bei der Überführung in die 2NF entstehen folgende Relationen:

2. Normalform:

Person

Ang_Nr (PK)NameOrtAbt_NrAbt_Name
101PaulBonn1Chemie
102HugoKöln2Kunststoff

Produkt

T_Nr (PK)Bezeichnung
11Kali
12Farbe
13PVC

Produktion

Ang_Nr (PK,FK)T_Nr (PK,FK)Zeit
1011160
1011240
1021320

PK = Primärschlüssel (primary key) FK = Fremdschlüssel (foreign key)

Die Anzahl der Relationen, die bei einer Überführung in die zweite Normalform entstehen können, hängt von der Anzahl der n der Primärschlüsselattribute ab. Dies ist die Potenzmenge einer n-elementigen Teilmenge, also 2 n -1. Bei einer Relation mit drei Primärschlüsselattributen (n=3) können daher bis zu 7 neue Relationen entstehen, bei einer Relation mit 2 Primärschlüsselattributen sind es bis zu 3 neue Relationen, die so entstehen können.

siehe auch: (Erste Normalform), (Dritte Normalform)

Im edb-E-Learning-Portal edb finden Sie einen interaktiven Normalformentrainer.

Kategorie: Normalformen, Z

Quellen:

  • Elmasri, Ramez/Navathe, Shamkant B.: "Grundlagen von Datenbanksystemen" , Pearson Studium, München, 2002, ISBN 3-8273-7021-3
  • Faeskorn-Woyke, Heide/Bertelsmeier, Birgit/Riemer, Petra/Bauer, Elena: "Datenbanksysteme - Theorie und Praxis mit SQL2003, Oracle und MySQL", Pearson Education, München, 2007, ISBN 978-3-8273-7266-6
  • Kemper, Alfons/Eickler, André: "Datenbanksysteme", Oldenbourg, München, 2009, 978-3-486-59018-0
  • Saake, Gunter/Sattler, Kai-Uwe/Heuer, Andreas: "Datenbanken - Konzepte und Sprachen", mitp-Verlag, Redline GmbH, Heidelberg, 2007, ISBN 3-8266-1664-2
  • Vossen, Gottfried: "Datenmodelle, Datenbanksprachen und Datenbankmanagementsysteme", Oldenbourg, München, 2008, ISBN 978-3-486-27574-2